
Algieba (γ Leo) – Spektrum bis ins IR und ein kleiner Aha-Moment
Ich habe vor kurzem ein Spektrum von Algieba (γ Leo, K-Riese) mit dem Star Analyser 100 und meiner ASI678MM an meinem Lacerta 80/500 aufgenommen und anschließend auf ein Pseudokontinuum normiert.
Im sichtbaren Bereich sieht man das, was man erwartet: einige Metalllinien (Fe, Ca etc.) und Hα an der richtigen Stelle – soweit also alles im grünen Bereich.
Richtig interessant wurde es für mich aber im roten bzw. nahen Infrarot. Das Spektrum geht bis knapp über 9000 Å, und obwohl der Sensor dort ja schon deutlich an Empfindlichkeit verliert, sind noch erstaunlich viele Strukturen zu erkennen.
Besonders aufgefallen sind mir:
das Ca II Triplet (um 8500–8700 Å), schön sichtbar
das starke O₂-A-Band bei ~7600 Å
und breite H₂O-Absorptionsbereiche weiter draußen Richtung Y-Band
Was mich dabei echt überrascht hat:
Vor der Normierung sah der IR-Bereich ziemlich unspektakulär aus. Erst durch die Division durch das Pseudokontinuum sind die ganzen Absorptionsstrukturen richtig „aufgegangen“. Klar, die Linien werden dadurch visuell stärker dargestellt als sie physikalisch sind – aber für die Identifikation funktioniert das super.
Gerade im IR merkt man auch deutlich, wie viel eigentlich von unserer eigenen Atmosphäre kommt. Ein großer Teil der Strukturen dort ist tellurisch, aber das Ca II Triplet vom Stern selbst sticht trotzdem sauber heraus.
Für mich war das ein kleiner Aha-Moment:
Mit relativ einfachem Equipment kommt man schon so weit ins nahe IR, dass man nicht nur „irgendwas“ sieht, sondern tatsächlich strukturierte Bereiche, die sich auch sinnvoll zuordnen lassen.
Als nächstes werde ich das Ganze mal mit Referenzsternen vergleichen bzw. mich an einer Telluric-Korrektur versuchen – aber selbst so fand ich das Ergebnis schon ziemlich spannend und wollte das hier teilen.