Entdeckt wurde NGC 6960 am 7. September 1784 vom deutsch-britischen Astronomen Wilhelm Herschel. Er befindet sich im Sternbild Schwan und ist etwa 2.400 Lichtjahre von uns entfernt.

Hier seht ihr meine Aufnahme von NGC 6960, dem westlichen Teil des Schleiernebels. Aufgrund seiner charakteristischen Form ist er auch unter den Namen „Hexenbesennebel“ oder „Witch’s Broom Nebula“ bekannt.

NGC 6960 ist ein Teil des Cygnus Loop – eines gewaltigen Supernovaüberrests, der vor vermutlich etwa 10.000 bis 20.000 Jahren durch die Explosion eines massereichen Sterns entstanden ist. Der gesamte Überrest erstreckt sich am Himmel über ungefähr drei Grad und erscheint damit etwa sechsmal so breit wie der Vollmond. Sein tatsächlicher Durchmesser liegt bei rund 120 Lichtjahren.

Die feinen, teilweise wie geflochten wirkenden Filamente entstehen dort, wo sich die noch immer ausbreitende Stoßwelle der Supernova durch das umgebende interstellare Gas bewegt. Dabei wird das Gas stark erhitzt und ionisiert, wodurch es in charakteristischen Wellenlängen zu leuchten beginnt.

Besonders auffällig sind die Emissionen von Wasserstoff im Hα-Bereich bei 6563 Å sowie von zweifach ionisiertem Sauerstoff bei den [O III]-Linien um 5007 Å. Hα erzeugt die rötlichen Strukturen, während [O III] für die türkis-bläulichen Filamente verantwortlich ist. Die unterschiedlichen Farben zeigen somit Bereiche mit verschiedenen Anregungs- und Stoßbedingungen innerhalb des Nebels.

Nahezu im Zentrum von NGC 6960 befindet sich der auffällige Stern 52 Cygni. Obwohl es auf Aufnahmen so wirkt, als wäre der Nebel um diesen Stern entstanden, handelt es sich lediglich um eine zufällige Überlagerung in unserer Sichtlinie. 52 Cygni ist ein wesentlich näher gelegener Vordergrundstern und steht in keinem Zusammenhang mit der Supernova, aus der der Schleiernebel hervorgegangen ist.

NGC 6960 ist für mich einer der eindrucksvollsten Teile des gesamten Schleiernebels. Besonders faszinierend finde ich den Kontrast zwischen den scharf begrenzten, blaugrünen Sauerstoffstrukturen und den weicheren roten Wasserstofffilamenten – sichtbare Spuren einer Sternexplosion, deren Stoßwelle sich noch heute durch den interstellaren Raum bewegt.


Die Daten:
Lacerta 80/500mm mit 0,79x Reducer
Juwei 14 auf Az-GTi Tripod
Asi485MC mit SV220 Filter
97 x 2min also ca. 3,2h Belichtungszeit
Darks und Flats korrigiert
Nachbearbeitet mit Gimp und Graxpert.