
NGC 869 und NGC 884 – der Doppelsternhaufen im Perseus
NGC 869 ist ein junger offener Sternhaufen im Sternbild Perseus und bildet gemeinsam mit dem unmittelbar benachbarten NGC 884 den berühmten Doppelsternhaufen h und χ Persei. Beide Sternhaufen liegen in einem außergewöhnlich sternreichen Abschnitt der Milchstraße und sind bereits unter dunklem Himmel mit bloßem Auge als schwacher, nebliger Fleck zwischen Perseus und Kassiopeia erkennbar.
Auf dieser Aufnahme sind beide Haufen gemeinsam mit ihrer Umgebung zu sehen. Besonders auffällig ist der Kontrast zwischen den zahlreichen blau-weißen Sternen und einigen deutlich orangefarbenen Sternen. Rund um die beiden Haufen zieht sich ein dichtes Sternfeld über das gesamte Bild – ein schöner Eindruck davon, wie sternreich diese Region unserer Galaxis tatsächlich ist.
Ein Blick in die Geschichte
Der Doppelsternhaufen ist kein Objekt, das erst mit modernen Teleskopen entdeckt wurde. Bereits der griechische Astronom Hipparchos erwähnte um 130 v. Chr. einen nebelartigen Fleck in dieser Region des Himmels. Damit gehören NGC 869 und NGC 884 zu den Deep-Sky-Objekten, die der Mensch bereits seit der Antike kennt.
Mit bloßem Auge konnte man damals natürlich noch nicht erkennen, dass dieser vermeintliche Nebel in Wirklichkeit aus einer großen Anzahl einzelner Sterne besteht. Erst mit der Entwicklung des Teleskops wurde die wahre Natur solcher Objekte sichtbar.
Interessanterweise fehlen NGC 869 und NGC 884 im Messier-Katalog, obwohl sie deutlich heller und leichter zu beobachten sind als viele der dort enthaltenen Objekte. Heute gehören beide gemeinsam als Caldwell 14 zum Caldwell-Katalog. Die traditionellen Bezeichnungen h Persei und χ Persei haben eine etwas komplizierte historische Entwicklung und wurden im Laufe der Zeit nicht immer eindeutig denselben beiden Haufen zugeordnet.
Zwei Sternhaufen als gemeinsames System
NGC 869 und NGC 884 liegen am Himmel nur ungefähr ein halbes Grad voneinander entfernt – also etwa einen Vollmonddurchmesser. Diese Nähe ist nicht nur ein perspektivischer Zufall. Beide befinden sich auch tatsächlich nahezu in derselben Entfernung von uns und gehören zur großen Perseus-OB1-Assoziation, einer Ansammlung junger und massereicher Sterne.
NGC 869 wird meist als h Persei, NGC 884 als χ Persei bezeichnet. Die beiden Sternhaufen sind nur einige hundert Lichtjahre voneinander getrennt und entstanden vermutlich im Zusammenhang mit derselben großen Sternentstehungsregion.
Offene Sternhaufen entstehen aus großen Gas- und Staubwolken. Viele Sterne werden dabei nahezu gleichzeitig geboren und bewegen sich anschließend gemeinsam durch die Milchstraße. Im Laufe von Hunderten Millionen Jahren werden solche Haufen durch die Gravitation der Galaxis und Begegnungen mit anderen Sternen langsam auseinandergezogen. Beim Doppelsternhaufen ist dieser Prozess allerdings noch kaum fortgeschritten – beide Haufen sind astronomisch gesehen ausgesprochen jung.
Junge Sterne mit enormer Leuchtkraft
Das Alter von NGC 869 und NGC 884 wird auf ungefähr 14 Millionen Jahre geschätzt. Zum Vergleich: Unsere Sonne ist rund 4,6 Milliarden Jahre alt und damit mehr als 300-mal älter. Selbst die bekannten Plejaden sind mit ungefähr 100 Millionen Jahren wesentlich älter als der Doppelsternhaufen.
Das junge Alter erklärt auch die vielen auffälligen blau-weißen Sterne. Darunter befinden sich zahlreiche heiße und massereiche Sterne der Spektralklasse B. Solche Sterne besitzen Oberflächentemperaturen von vielen Tausend Grad und strahlen einen großen Teil ihrer Energie im blauen und ultravioletten Bereich ab.
Massereiche Sterne verbrauchen ihren Kernbrennstoff allerdings wesentlich schneller als kleinere Sterne wie unsere Sonne. Ihre Lebensdauer beträgt deshalb teilweise nur wenige Millionen Jahre. Obwohl der Doppelsternhaufen noch sehr jung ist, haben einige seiner schwersten Mitglieder bereits die Hauptreihe verlassen und sich zu entwickelten Riesen- oder Überriesensternen entwickelt.
Warum sieht man blaue und orange Sterne?
Gerade der Farbkontrast macht den Doppelsternhaufen besonders interessant. Die vielen blau-weißen Sterne sind junge, heiße und massereiche Sterne. Ihre Farbe ist eine direkte Folge ihrer hohen Oberflächentemperatur.
Dazwischen befinden sich jedoch auch auffällige gelbliche, orangefarbene und rötliche Sterne. Einige davon sind rote Überriesen, also Sterne, die ursprünglich besonders massereich waren und sich trotz des geringen Alters der Sternhaufen bereits stark weiterentwickelt haben.
Das wirkt zunächst widersprüchlich: Ein roter Stern wird häufig mit einem sehr alten Stern in Verbindung gebracht. Bei massereichen Sternen läuft die Entwicklung aber wesentlich schneller ab. Sie können bereits nach wenigen Millionen Jahren zu roten Überriesen werden, während ein Stern wie unsere Sonne dafür Milliarden Jahre benötigt.
Damit lässt sich innerhalb eines einzigen jungen Sternhaufens bereits ein Teil der Sternentwicklung beobachten – von heißen blauen Hauptreihensternen bis zu massereichen Sternen, die sich bereits in einer späten Entwicklungsphase befinden.
Entfernung und Größe
NGC 869 liegt ungefähr 7.500 Lichtjahre von der Erde entfernt, für NGC 884 ergibt sich eine sehr ähnliche Entfernung. Beide befinden sich damit im Perseus-Arm der Milchstraße, also deutlich weiter entfernt als viele der bekannten offenen Sternhaufen in unserer unmittelbaren galaktischen Umgebung.
Jeder der beiden Haufen erscheint am Himmel ungefähr einen halben Grad groß. Tatsächlich umfassen sie jeweils viele tausend Sterne, wobei sich ihre Mitglieder weit über die besonders auffälligen zentralen Bereiche hinaus erstrecken.
NGC 869 besitzt eine Masse von mehreren Tausend Sonnenmassen, ebenso NGC 884. Bezieht man auch die weitläufige Population rund um die beiden Haufen mit ein, kommt das gesamte System auf eine Masse von mindestens einigen Zehntausend Sonnenmassen.
Ein Blick in einen anderen Spiralarm der Milchstraße
Der Doppelsternhaufen ist deshalb weit mehr als nur eine besonders schöne Ansammlung von Sternen. Wir blicken hier auf eine große Population junger Sterne, die vor ungefähr 14 Millionen Jahren gemeinsam entstanden ist und sich in einem anderen Spiralarm unserer Galaxis befindet.
Das Licht, das heute von NGC 869 und NGC 884 bei uns ankommt, war ungefähr 7.500 Jahre unterwegs. Wir sehen die beiden Sternhaufen also so, wie sie zu einer Zeit aussahen, als auf der Erde bereits die ersten größeren menschlichen Siedlungen entstanden – und selbst dieser Blick zeigt nur einen winzigen Moment in der Entwicklung dieser jungen Sterne.
Gerade die Kombination aus den beiden kompakten Haufen und dem enorm dichten Sternfeld ihrer Umgebung macht h und χ Persei für mich zu einem besonders eindrucksvollen Ziel. Das Bild zeigt nicht nur zwei offene Sternhaufen, sondern vermittelt auch einen Eindruck davon, wie reich und dicht bevölkert die Ebene unserer Milchstraße tatsächlich ist.
Die Daten:
Seestar S30 Pro im EQ Mode
UV/IR Filter
250 x 20s Lights
Gestacked mit Sharpcap
Bearbeitet mit Siril und DarkTable