Die Nacht vom 10. auf den 11. Mai 2024 wird vielen Himmelsbeobachtern noch lange in Erinnerung bleiben. Was sich an diesem Abend über Österreich zeigte, war weit mehr als ein gewöhnliches Polarlicht – es war eines der spektakulärsten Himmelsereignisse der letzten Jahrzehnte.

Meine Beobachtung begann gegen 23:00 Uhr am 10. Mai 2024 in Stockerau. Bereits zu diesem Zeitpunkt waren deutlich sichtbare Polarlichtstrukturen erkennbar. Das Maximum der Erscheinung zeigen die Aufnahmen, die zwischen 00:00 Uhr und 00:46 Uhr am 11. Mai entstanden. In diesem Zeitraum erreichte die Aktivität eine Intensität, wie sie in unseren Breiten nur äußerst selten beobachtet wird.

Ein historisches Weltraumwetter-Ereignis
Ausgelöst wurde das Polarlicht durch einen außergewöhnlich starken geomagnetischen Sturm. Mehrere koronale Massenauswürfe (CMEs) trafen nahezu gleichzeitig auf das Magnetfeld der Erde und lösten einen sogenannten G5-Sturm aus – die höchste Kategorie auf der geomagnetischen Sturmskala der NOAA.

Nach Angaben der NOAA wurden in der Nacht mehrfach G5-Bedingungen erreicht. Es handelte sich um den stärksten geomagnetischen Sturm seit den berühmten Halloween-Stürmen des Jahres 2003. Der Kp-Index erreichte zeitweise den Maximalwert 9.

Die Ursache war die außergewöhnlich aktive Sonnenfleckenregion AR 3664, die innerhalb weniger Tage zahlreiche starke Sonneneruptionen und koronale Massenauswürfe produzierte. Mehrere dieser Plasmawolken überlagerten sich auf ihrem Weg zur Erde und verstärkten dadurch ihre Wirkung erheblich.

Polarlichter weit außerhalb der üblichen Zonen
Besonders bemerkenswert war die geografische Ausdehnung der Aurora. Polarlichter wurden nicht nur in Skandinavien beobachtet, sondern in weiten Teilen Europas, Nordamerikas und sogar in Regionen, in denen solche Erscheinungen normalerweise praktisch unbekannt sind.

Die Aurora wurde unter anderem aus Spanien, Frankreich, Österreich, Italien sowie zahlreichen südlichen Regionen der USA fotografiert. Selbst aus Gebieten nahe der Tropen wurden Sichtungen gemeldet.

Für Beobachter in Österreich war dies deshalb so außergewöhnlich, weil Polarlichter hier meist nur fotografisch oder als schwache Aufhellung des Nordhimmels wahrnehmbar sind. In dieser Nacht hingegen zeigten sich teilweise deutlich sichtbare Farben und großflächige Strukturen über weiten Teilen des Himmels.

Farben und Strukturen
Die auffälligen roten und violetten Farbtöne entstehen in großer Höhe durch angeregte Sauerstoff- und Stickstoffatome in der oberen Atmosphäre.

Bei besonders starken geomagnetischen Stürmen kann sich das Polarlichtoval weit nach Süden ausdehnen. Dadurch werden auch Regionen sichtbar, die normalerweise weit außerhalb der klassischen Polarlichtzone liegen.

Viele Aufnahmen dieser Nacht zeigen großflächige rote Aurora-Strukturen, helle Bögen sowie feine Strahlenformationen. Die Intensität war so hoch, dass zahlreiche Details bereits mit bloßem Auge erkennbar waren und nicht nur fotografisch sichtbar wurden.

„Once in a Lifetime“
Besonders bemerkenswert waren die Reaktionen erfahrener Beobachter und Astrofotografen. Viele langjährige Himmelsbeobachter beschrieben das Ereignis als ein echtes „once in a lifetime“-Erlebnis – eine Erscheinung, die man möglicherweise nur ein einziges Mal im Leben in dieser Intensität erlebt.

Auch wenn während des Maximums des aktuellen Sonnenzyklus weitere starke Polarlichtereignisse nicht ausgeschlossen sind, gilt die Nacht vom 10. auf den 11. Mai 2024 bereits heute als eines der bedeutendsten Polarlicht-Ereignisse der modernen Beobachtungsgeschichte.

Eine Nacht, die in Erinnerung bleibt
Für viele Beobachter war diese Nacht weit mehr als ein astronomisches Ereignis. Die Kombination aus außergewöhnlicher Sonnenaktivität, einem extrem seltenen G5-Sturm und einer Aurora, die selbst in Österreich den Himmel spektakulär färbte, machte die Nacht zu einem historischen Moment für die Amateurastronomie.

Die zwischen Mitternacht und 00:46 Uhr entstandenen Aufnahmen dokumentieren den Höhepunkt dieses außergewöhnlichen Ereignisses und halten einen Moment fest, den viele Beobachter wohl nie vergessen werden.