Die Plejaden, auch bekannt als Messier 45 (M45) oder die „Sieben Schwestern“, gehören zu den bekanntesten und schönsten offenen Sternhaufen am Nachthimmel. Bereits mit bloßem Auge sind sie im Sternbild Stier als kleine, auffällige Ansammlung heller Sterne zu erkennen.

Besonders faszinierend sind jedoch die ausgedehnten blauen Reflexionsnebel, die den Sternhaufen umgeben. Erst auf länger belichteten astronomischen Aufnahmen werden die feinen, teilweise fadenförmigen Staubstrukturen sichtbar, die sich zwischen den hellen Sternen hindurchziehen.

Meine aktuelle Aufnahme zeigt neben den markanten blauen Nebelregionen auch zahlreiche dunkle Staubstrukturen, die dem gesamten Gebiet eine beeindruckende räumliche Tiefe verleihen.

Ein junger Sternhaufen in unserer Nachbarschaft
Die Plejaden befinden sich in einer Entfernung von ungefähr 440 Lichtjahren und sind damit einer der uns nächstgelegenen offenen Sternhaufen. Mit einem Alter von etwa 100 bis 125 Millionen Jahren sind die Plejaden astronomisch betrachtet noch relativ jung. Zum Vergleich: Unsere Sonne ist bereits rund 4,6 Milliarden Jahre alt.

Der Sternhaufen besteht aus mehr als 1.000 Sternen, von denen allerdings nur die hellsten mit bloßem Auge sichtbar sind. Besonders auffällig sind die heißen, blauweiß leuchtenden Sterne der Spektralklasse B, die das Erscheinungsbild der Plejaden dominieren. Die Sterne sind aus einer gemeinsamen Gas- und Staubwolke entstanden und bewegen sich als zusammengehörige Gruppe durch unsere Milchstraße.

Warum leuchten die Nebel blau?
Die auffälligen blauen Nebel der Plejaden sind sogenannte Reflexionsnebel. Im Gegensatz zu Emissionsnebeln, bei denen Gas durch energiereiche Strahlung zum eigenständigen Leuchten angeregt wird, reflektieren beziehungsweise streuen die feinen Staubpartikel hier das Licht der umliegenden Sterne. Dabei wird kurzwelliges blaues Licht besonders effizient gestreut. Zusammen mit dem ohnehin bläulichen Licht der heißen Sterne entsteht die charakteristische Färbung der Plejadennebel.

Interessanterweise handelt es sich bei diesen Staubwolken wahrscheinlich nicht um Überreste jener Wolke, aus der die Sterne ursprünglich entstanden sind. Vielmehr bewegt sich der Sternhaufen gerade durch eine bereits vorhandene interstellare Staubregion.

Besonders eindrucksvoll sind die hellen Nebel um Merope und Maia. Bei genauerer Betrachtung der Aufnahme lassen sich aber auch wesentlich schwächere Staubfilamente erkennen, die sich über große Teile des Bildfeldes erstrecken.

Die Sage der sieben Schwestern
Die Plejaden sind nicht nur astronomisch interessant, sondern spielen bereits seit Jahrtausenden eine bedeutende Rolle in der Mythologie zahlreicher Kulturen.

In der griechischen Mythologie waren die sieben Schwestern die Töchter des Titanen Atlas und der Meeresnymphe Pleione.

Ihre Namen lauten:

Alcyone
Maia
Electra
Taygeta
Celaeno
Sterope (Asterope)
Merope

Der Sage nach verliebte sich der Jäger Orion in die sieben Schwestern und verfolgte sie unermüdlich. Um sie vor ihm zu retten, verwandelte Zeus die Schwestern in Tauben und versetzte sie schließlich als Sterne an den Himmel. Doch auch dort scheint Orion seine Verfolgung fortzusetzen: Das Sternbild Orion befindet sich unweit der Plejaden und folgt ihnen scheinbar über den nächtlichen Himmel.

Eine weitere Überlieferung versucht zu erklären, weshalb trotz der sieben Schwestern meistens nur sechs Sterne besonders deutlich mit bloßem Auge erkennbar sind. Demnach soll sich Merope aus Scham verstecken, weil sie als einzige der Schwestern einen sterblichen Mann, Sisyphos, geheiratet hatte. In einer anderen Version verbirgt Electra ihr Licht aus Trauer über den Untergang Trojas.

Astronomisch betrachtet ist natürlich keine Schwester verschwunden. Unter guten Beobachtungsbedingungen lassen sich sogar mehr als sieben Sterne des Haufens mit bloßem Auge erkennen.

Bereits der griechische Dichter Hesiod beschrieb um 700 v. Chr. in seinem Werk Werke und Tage die Bedeutung der Plejaden für die Landwirtschaft. Ihr erstmaliges Erscheinen am Morgenhimmel kurz vor Sonnenaufgang (heliakischer Aufgang) im Frühjahr galt als Zeichen für den Beginn der Getreideernte. Wenn die Plejaden hingegen im Herbst gegen Sonnenaufgang am westlichen Horizont untergingen, war die Zeit gekommen, die Felder zu pflügen und für die Aussaat vorzubereiten. Hesiod erwähnte außerdem, dass die Plejaden im Frühjahr etwa 40 Tage und Nächte unsichtbar bleiben, bevor sie wieder am Morgenhimmel erscheinen. Der Sternhaufen diente damit bereits vor rund 2.700 Jahren als eine Art natürlicher Kalender, an dem sich die Bauern bei ihrer Arbeit orientierten.

Alcyone – Ein Stern mit einer besonderen H-Alpha-Emission
Neben der fotografischen Aufnahme habe ich mich auch spektroskopisch mit den Plejaden beschäftigt.

Besonders interessant ist dabei Alcyone (Eta Tauri, η Tau), mit einer scheinbaren Helligkeit von etwa 2,9 mag der hellste Stern des Sternhaufens.

Alcyone ist ein heißer, blauer Stern der Spektralklasse B7 IIIe und gehört zu den sogenannten Be-Sternen.

Das kleine „e“ in der Spektralklassifikation weist darauf hin, dass im Spektrum Emissionslinien auftreten.

Be-Sterne zeichnen sich durch ihre schnelle Rotation aus. Um diese Sterne kann sich eine Scheibe aus Gas bilden, das vom Stern abgegeben wurde. In dieser Gasscheibe entstehen unter anderem Emissionslinien des Wasserstoffs.

Eine der wichtigsten Linien ist die H-Alpha-Linie bei ungefähr 6563 Ångström. Sie entsteht beim Übergang eines Elektrons im Wasserstoffatom vom dritten auf das zweite Energieniveau.

Auch in meinem eigenen Spektrum von Alcyone lässt sich im Bereich der H-Alpha-Linie eine leichte Emissionskomponente erkennen.


Das Spektrum ist etwas älter und ist auch noch mit meiner älteren Kamera entstanden. Hier ist eine neue qualitativ höherwertige Aufnahme geplant.

Die Emission ist zwar nicht besonders stark ausgeprägt, zeigt aber, dass sich hinter einem scheinbar gewöhnlichen hellen Stern interessante physikalische Prozesse verbergen.

Wichtig ist dabei die Unterscheidung zwischen der H-Alpha-Emission und den blauen Reflexionsnebeln der fotografischen Aufnahme: Die Emission entsteht in der unmittelbaren Umgebung von Alcyone, während die großflächigen blauen Nebel durch die Streuung von Sternenlicht an interstellarem Staub sichtbar werden.

Alcyone ist übrigens nicht der einzige bekannte Be-Stern der Plejaden. Auch Electra, Merope und Pleione zeigen beziehungsweise zeigten Emissionslinien in ihren Spektren. Diese können sich im Laufe der Zeit in ihrer Stärke und Form verändern. Damit sind die Plejaden nicht nur ein ausgesprochen schönes fotografisches Objekt, sondern auch ein interessantes Beobachtungsfeld für die Sternspektroskopie.

Weitere spektroskopische Beobachtungen
Mit der fotografischen Aufnahme und dem Spektrum von Alcyone ist das Thema Plejaden für mich noch nicht abgeschlossen. Noch in diesem Jahr möchte ich versuchen, alle sieben namensgebenden Schwestern einzeln spektroskopisch zu beobachten. Besonders interessant wird dabei der Vergleich ihrer Wasserstofflinien und die Frage, welche Unterschiede zwischen den einzelnen Sternen sichtbar werden. Vielleicht lässt sich auf diese Weise auch bei den anderen bekannten Be-Sternen des Haufens die eine oder andere Emissionslinie nachweisen.

So soll aus der fotografischen Aufnahme der sieben Schwestern noch ein kleines spektroskopisches Beobachtungsprojekt werden.

Die Daten:
Seestar S30 Pro im EQ Mode
UV/IR Filter
200 x 60 s Lights
Gestacked mit Siril
Bearbeitet mit Siril und DarkTable