
NGC 7635 – Der Blasennebel im Sternbild Kassiopeia
Der auf diesem Bild sichtbare Blasennebel NGC 7635, auch als Bubble Nebula oder Caldwell 11 bekannt, ist ein Emissionsnebel im Sternbild Kassiopeia. Die namensgebende Blase selbst nimmt in dieser Weitfeldaufnahme nur einen vergleichsweise kleinen Bereich ein. Rundherum zeigt sich eine wesentlich größere Landschaft aus ionisiertem Gas, dunklen Staubwolken und dichten Sternfeldern der Milchstraße.
Links oben befindet sich der offene Sternhaufen Messier 52 (NGC 7654). Rechts oberhalb des Blasennebels liegt die helle Sternentstehungsregion NGC 7538, während sich im unteren rechten Bildbereich Teile der ausgedehnten H-II-Region Sh2-157 zeigen. Das weite Bildfeld macht damit deutlich, wie reich diese Region an unterschiedlichen Strukturen ist.
Eine Blase, geformt von einem massereichen Stern
NGC 7635 befindet sich etwa 7.100 Lichtjahre von uns entfernt und die eigentliche Blase besitzt einen Durchmesser von ungefähr sieben Lichtjahren. Verantwortlich für diese Struktur ist der heiße und massereiche O-Stern BD+60°2522.
Ein solcher Stern verliert kontinuierlich Materie in Form eines extrem schnellen Sternwinds. Bei BD+60°2522 erreicht dieser Wind Geschwindigkeiten von mehreren Millionen Kilometern pro Stunde. Das abströmende Material trifft auf das umgebende interstellare Gas und schiebt es vor sich her. So entsteht eine expandierende Hülle – die im Bild sichtbare Blase. Dabei befindet sich der Stern auffällig weit außerhalb des geometrischen Zentrums. Das liegt nicht einfach daran, dass sich der Stern innerhalb einer bereits fertigen Blase verschoben hätte. Das umgebende interstellare Medium besitzt vielmehr unterschiedliche Dichten. In dichterem Gas wird die Expansion stärker gebremst, während sich die Blase in anderen Richtungen weiter ausdehnen kann. Dadurch entsteht die asymmetrische Struktur von NGC 7635.
Viel mehr als nur NGC 7635
Gerade das große Bildfeld zeigt, dass der Blasennebel keineswegs allein am Himmel steht. Links oben bildet M52 einen deutlichen Kontrast zu den ausgedehnten Gaswolken. Als offener Sternhaufen besteht er aus einer Gruppe von Sternen, die aus derselben Molekülwolke hervorgegangen sind und daher einen gemeinsamen Ursprung besitzen.
Rechts oben fällt dagegen NGC 7538 als helle und kompaktere Emissionsregion auf. Sie befindet sich etwa 9.000 Lichtjahre entfernt und gehört zu den vergleichsweise nahe gelegenen Regionen, in denen massereiche Sterne entstehen. Gas und Staub bilden dort ein aktives Sternentstehungsgebiet mit zahlreichen jungen stellaren Objekten.
Im unteren rechten Bereich erstrecken sich die schwächeren Strukturen von Sh2-157, die auch Lobster Claw Nebula genannt wird. Dazwischen liegen großflächige Dunkelstrukturen. Diese dunklen Bereiche sind nicht einfach leerer Raum: Interstellarer Staub und kaltes Gas blockieren dort einen Teil des dahinterliegenden Sternlichts und der Emissionen.
Die Aufnahme zeigt damit auf engem Raum mehrere unterschiedliche Entwicklungsstadien und Erscheinungsformen des interstellaren Mediums – von dunklem Gas und Staub über ionisierte H-II-Regionen bis hin zu einem offenen Sternhaufen.
Zehn Stunden unter schwierigem Himmel
Diese Aufnahme entstand zwischen dem 28. und 30. September 2026 und enthält insgesamt rund zehn Stunden Belichtungszeit. Trotzdem blieb gerade der Hintergrund eine der größten Herausforderungen bei der Bearbeitung.
Der Zeitpunkt war dafür alles andere als optimal. Vollmond war am 26. September und während der Aufnahmen war der Mond am 28. September noch zu 97,9 %, am 29. September zu 93,2 % und selbst am 30. September noch zu 86,1 % beleuchtet. Außerdem ging er an diesen Abenden bereits zwischen ungefähr 19 und 20 Uhr auf und stand damit praktisch während der gesamten astronomisch nutzbaren Nacht am Himmel. Das zusätzliche Mondlicht erhöht den Himmelshintergrund erheblich. Besonders problematisch sind dabei nicht nur das zusätzliche Photonenrauschen, sondern auch großräumige Gradienten durch in der Atmosphäre gestreutes Licht. Zehn Stunden Integrationszeit reduzieren zwar das statistische Rauschen deutlich, können einen hellen und strukturierten Himmelshintergrund aber nicht vollständig kompensieren.
Genau hier zeigt sich ein wichtiger Unterschied zwischen mehr Belichtungszeit und besseren Aufnahmebedingungen: Unter dunklem Himmel steigt der Kontrast schwacher Nebelstrukturen wesentlich stärker an. Unter hellem Mond sammelt die Kamera dagegen zusammen mit dem gewünschten Signal permanent zusätzliches Hintergrundlicht.
Die Terrasse als zusätzlicher Faktor
Auch der Aufnahmeort spielt bei diesem Bild eine wichtige Rolle. Meine Terrasse liegt zwischen mehreren mehrstöckigen Wohnhäusern. Mondlicht und künstliche Beleuchtung können dadurch zusätzlich an Fassaden und anderen Flächen reflektiert werden und lokale Gradienten verstärken. Ende September hat außerdem bereits die Heizsaison begonnen. Aufsteigende warme Luft von Gebäuden, Dächern und Heizungsanlagen erzeugt lokale Luftunruhe. Dieser Effekt beeinflusst weniger die Helligkeit des Hintergrunds selbst als vielmehr das Seeing: Sterne und feine Nebelstrukturen werden dadurch unruhiger und verlieren an Schärfe. Das ist bei einem solchen Weitfeld zwar weniger dramatisch als bei hochaufgelösten Planetenaufnahmen, bei zehn Stunden Gesamtbelichtungszeit summieren sich aber auch diese Bedingungen über viele Einzelaufnahmen.
Der leicht unruhige Hintergrund dieser Aufnahme ist deshalb nicht einfach das Ergebnis zu kurzer Belichtung. Vielmehr zeigt er recht deutlich die Grenzen, die ein fast voller Mond, ein urbaner Standort und lokale atmosphärische Bedingungen auch bei langer Gesamtbelichtungszeit setzen können. Gerade die sehr schwachen ausgedehnten Nebelstrukturen rund um NGC 7635 wären deshalb ein interessantes Ziel für eine weitere Aufnahme unter wirklich dunklem, mondlosem Himmel.
Die Daten:
Seestar S30 Pro im EQ Mode
LP Filter
597 x 60s Lights
Gestacked mit Siril
Bearbeitet mit Siril und DarkTable