Der Nordamerikanebel NGC 7000 und der benachbarte Pelikannebel IC 5070 gehören zu den eindrucksvollsten Nebelregionen im Sternbild Schwan. Beide Objekte habe ich bereits einzeln fotografiert und auf meiner Homepage vorgestellt. Diesmal ist daraus allerdings ein ganz besonderes Projekt geworden: eine gemeinsame Aufnahme mit meinem Papa!

Während mein Vater den Pelikannebel aufgenommen hat, habe ich mich dem Nordamerikanebel gewidmet. Zum Einsatz kamen bei uns beiden die kleinen Seestar S30 Pro Smart-Teleskope. Jeder von uns sammelte ungefähr vier Stunden Belichtungszeit. Anschließend wurden die beiden Aufnahmen zu einem großen Mosaik zusammengesetzt, das den gesamten Nebelkomplex in einem gemeinsamen Bild zeigt.

Dass mein Papa mittlerweile ebenfalls in die Astrofotografie eingestiegen ist und wir solche Projekte gemeinsam umsetzen können, freut mich dabei fast noch mehr als das fertige Bild selbst.

Zwei Nebel, die eigentlich zusammengehören
Was auf den ersten Blick wie zwei getrennte Nebel aussieht, ist in Wirklichkeit Teil einer einzigen gewaltigen H-II-Region mit der Bezeichnung W80, die sich in ungefähr 2.600 Lichtjahren Entfernung befindet.

Der Nordamerikanebel und der Pelikannebel bestehen aus großen Mengen ionisierten Wasserstoffs, die durch die energiereiche Strahlung heißer Sterne zum Leuchten angeregt werden. Ihre charakteristische rötliche Färbung entsteht vor allem durch die Hα-Emission des Wasserstoffs. Zwischen den beiden leuchtenden Regionen liegt die ausgedehnte Dunkelwolke LDN 935. Sie besteht aus kaltem molekularem Gas und interstellarem Staub, der das Licht der dahinterliegenden Nebelregionen absorbiert und dadurch die scheinbare Trennung erzeugt. Diese dunkle Wolke ist gewissermaßen dafür verantwortlich, dass wir überhaupt zwei unterschiedliche Figuren erkennen können: den nordamerikanischen Kontinent und den Pelikan.

Besonders interessant: Die Überlappungsbereiche des Mosaiks
Der große Vorteil unseres Gemeinschaftsprojekts liegt nicht nur im größeren Bildfeld. Besonders die Bereiche, in denen sich unsere beiden Aufnahmen überlappen, haben sichtbar von der zusätzlichen Belichtungszeit profitiert. Während für die äußeren Bereiche jeweils ungefähr vier Stunden Aufnahmematerial zur Verfügung stehen, ergänzen sich die Daten in den gemeinsamen Bildbereichen auf insgesamt rund acht Stunden. Dadurch wird das Bildrauschen reduziert, und schwächere Helligkeitsunterschiede lassen sich deutlich besser herausarbeiten. Besonders auffällig ist dieser Effekt in den dunklen Staubwolken zwischen den beiden Nebeln. Dort zeigen sich zahlreiche feine Verästelungen, unregelmäßige Wolkenränder und unterschiedlich dichte Staubstrukturen, die in den Einzelaufnahmen weniger deutlich hervorgetreten sind.

Gerade diese Region finde ich besonders faszinierend. Der scheinbar dunkle Zwischenraum entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als eine äußerst komplexe Landschaft aus interstellarem Material.

Dunkle Wolken voller junger Sterne
Die Dunkelwolke LDN 935 ist dabei weit mehr als nur eine Ansammlung von Staub, die uns den Blick auf das dahinterliegende Licht versperrt.

Untersuchungen mit dem Weltraumteleskop Spitzer haben im gesamten Nordamerika-Pelikan-Komplex mehr als 2.000 Kandidaten für junge stellare Objekte identifiziert. Viele davon befinden sich noch tief eingebettet in dichten Gas- und Staubwolken. Besonders interessant ist, dass diese Sternentstehungsgebiete im sichtbaren Licht häufig nahezu vollständig verborgen bleiben. Erst Infrarotbeobachtungen ermöglichen es, tiefer in die Staubwolken hineinzublicken und die dort entstehenden Sterne zu untersuchen.

Auch die auffälligen Filamente und Wolkenränder sind nicht zufällig entstanden. Die intensive Strahlung massereicher Sterne und die Ausdehnung der ionisierten Gasregion verändern über lange Zeiträume hinweg die umliegenden Molekülwolken. Dabei werden Teile des Materials abgetragen, verdichtet und zu teilweise sehr komplexen Strukturen geformt.

Was auf unserer Aufnahme wie eine dunkle, zerklüftete Landschaft aussieht, ist somit Teil eines dynamischen Sternentstehungsgebietes.

Zwei kleine Teleskope und ein gemeinsames Ergebnis
Für dieses Mosaik kamen zwei baugleiche Seestar S30 Pro mit jeweils nur 30 Millimetern Öffnung zum Einsatz. Trotz ihrer geringen Größe lassen sich damit durch ausreichend lange Belichtungszeiten erstaunlich schwache Strukturen sichtbar machen. Die beiden Bildfelder ergänzen sich hervorragend: Der Nordamerikanebel mit seiner markanten Cygnus Wall auf der einen Seite, der Pelikannebel mit seinen ausgedehnten Emissions- und Dunkelstrukturen auf der anderen.

Das fertige Mosaik zeigt nicht nur die räumliche Verbindung dieser beiden bekannten Nebel, sondern macht insbesondere im gemeinsamen Überlappungsbereich deutlich, welchen Unterschied zusätzliche Belichtungszeit machen kann.

Für mich ist es aber vor allem eine schöne Erinnerung an unser erstes gemeinsames Astrofotografie-Projekt dieser Art. Zwei Teleskope, zwei Beobachter und ein gemeinsames Stück Himmel!

Die Daten:
Seestar S30 Pro im EQ Mode
LP Filter
153 x 30s und 153 x 60s Lights Nordamerikanebel
247 x 60s Pelikannebel (Credits: Karl Stiegler)
Gestacked mit Siril
Bearbeitet mit Siril und DarkTable