
Mein erstes Teleskop - persönliche Empfehlungen aus der Praxis
Wer sich sein erstes Teleskop kaufen möchte, steht vor einer riesigen Auswahl. Unterschiedliche Bauarten, Öffnungen, Brennweiten und Preisklassen machen die Entscheidung nicht gerade einfach. Und wer sich im Internet informiert, bekommt häufig sehr unterschiedliche Ratschläge.
Gleich vorweg: Die Wahl des richtigen Teleskops ist eine sehr individuelle Entscheidung. Jeder Mensch hat andere Interessen, Erwartungen und Vorlieben. Was für den einen die perfekte Lösung ist, kann für jemand anderen völlig ungeeignet sein.
Ich vertrete dabei eine Meinung, die von vielen Empfehlungen im Internet etwas abweicht.
In Astronomieforen wird Einsteigern häufig zu einem Dobson-Teleskop geraten. Das hat durchaus seine Berechtigung, denn Dobsons bieten vergleichsweise viel Öffnung für wenig Geld. Gerade bei der visuellen Beobachtung lichtschwacher Objekte ist eine große Öffnung ein erheblicher Vorteil. Allerdings ist die optische Leistungsfähigkeit für mich nicht das einzige Kriterium. Auch Transportabilität, unkomplizierte Handhabung und Beobachtungskomfort spielen für mich eine wichtige Rolle.
Ich hatte selbst einen 10-Zoll-Dobson, den ich nach relativ kurzer Zeit wieder verkauft habe, weil er für mich nicht komfortabel genug war. Die Rockerbox war nicht höhenverstellbar, das gesamte Gerät war relativ schwer und die Montierung ließ sich für den Transport nicht einfach zusammenschieben.
Das bedeutet aber keineswegs, dass nicht genau dieser Teleskoptyp für dich die richtige Wahl sein könnte.
In diesem Beitrag möchte ich deshalb keine allgemeingültige Kaufempfehlung abgeben, sondern zwei Teleskope vorstellen, mit denen ich persönlich sehr gute Erfahrungen gemacht habe. Ich war lange Zeit mit genau diesen beiden Geräten visuell unterwegs und finde, dass sie sich nahezu perfekt ergänzen. Der Beitrag richtet sich ausschließlich an Einsteiger in die visuelle Astronomie, also an alle, die den Sternenhimmel mit den eigenen Augen beobachten möchten. Die Astrofotografie stellt ganz andere Anforderungen an die Ausrüstung und soll hier nicht behandelt werden.
Sky-Watcher 102/500 - mein unkompliziertes Immer-dabei-Teleskop
Der Sky-Watcher 102/500, auch als StarTravel 102 bekannt, ist ein kompakter achromatischer Refraktor mit 102 mm Öffnung und 500 mm Brennweite. Es handelt sich um ein vergleichsweise günstiges Linsenteleskop, das sich vor allem für niedrige Vergrößerungen und großflächige Beobachtungen eignet.
Seine große Stärke ist für mich die unkomplizierte Handhabung. Das Teleskop ist leicht zu transportieren, schnell aufgestellt und benötigt wenig Platz. Gerade für ausgedehnte Sternfelder, offene Sternhaufen und größere Deep-Sky-Objekte macht es richtig Spaß. Besonders das Wandern durch die sternreichen Regionen der Milchstraße ist mit einem solchen kurzbrennweitigen Refraktor ein schönes Erlebnis.
Und was ist mit dem Farbfehler?
Eine häufig geäußerte Kritik an kurzbrennweitigen achromatischen Refraktoren ist der sogenannte chromatische Farbfehler. Da unterschiedliche Wellenlängen des Lichts nicht exakt im selben Punkt fokussiert werden, können vor allem an hellen Objekten störende Farbsäume auftreten.
Dieser Farbfehler ist beim 102/500 konstruktionsbedingt durchaus ausgeprägt. Besonders bei höheren Vergrößerungen und an hellen Objekten wie dem Mond oder den Planeten wird er deutlich sichtbar. Mich persönlich stört er bis zu einer Vergrößerung von ungefähr 50-fach allerdings kaum.
Und genau in diesem Vergrößerungsbereich liegen auch die Stärken des Teleskops.
Wer hauptsächlich Planeten beobachten und möglichst viele feine Details erkennen möchte, wird mit einem anderen Teleskop glücklicher werden. Wer hingegen gerne großflächige Himmelsregionen erkundet, bekommt hier ein ausgesprochen interessantes Instrument.
Warum ich es auch heute noch gerne verwende
Obwohl ich mittlerweile auch deutlich hochwertigere Teleskope besitze, verwende ich den kleinen 102/500 nach wie vor gerne.
Er ist für mich ein klassisches Immer-dabei-Teleskop, das ich schnell mitnehmen und ohne großen Aufwand verwenden kann. Es gibt auch eine größere Variante, den Sky-Watcher 120/600. Dieser besitzt mit 120 mm eine größere Öffnung und sammelt dadurch rund 38 Prozent mehr Licht. Allerdings ist er auch deutlich schwerer und stellt durch sein höheres Gewicht und den größeren Tubus andere Anforderungen an die Montierung. Wenn mir maximale Transportabilität wichtig ist, würde ich deshalb persönlich den kleineren 102/500 bevorzugen.
Sky-Watcher 102/1300 Maksutov – mein Einstieg in die Planetenbeobachtung
Mein zweiter Favorit ist der Sky-Watcher 102/1300 Maksutov-Cassegrain.
Dieses kleine Teleskop hat für mich eine besondere Bedeutung, denn damit habe ich meine ersten intensiveren Planetenbeobachtungen gemacht. Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich Saturn mit seinen Ringen beobachtet habe. Sogar die Cassini-Teilung im Ringsystem konnte ich erkennen. Das war eines jener Erlebnisse, die mich in meiner Begeisterung für die Astronomie bestärkt haben. Und das mit einem Teleskop, das weder besonders groß noch besonders teuer war.
Viel Brennweite in einem kleinen Tubus
Das Besondere an einem Maksutov-Cassegrain ist seine kompakte Bauweise. Obwohl das Teleskop eine Brennweite von 1300 mm besitzt, ist der Tubus selbst nur ungefähr 28 cm lang. Dadurch lässt sich das Gerät ausgesprochen einfach transportieren und verstauen. Die Optik liefert eine scharfe Abbildung ohne den störenden chromatischen Farbfehler eines einfachen Achromaten. Besonders bei der Beobachtung von Mond und Planeten macht sich das bemerkbar.
Bereits mit einem 10-mm-Okular erreicht man eine 130-fache Vergrößerung, die sich bei passenden atmosphärischen Bedingungen gut für die Planetenbeobachtung eignet. Am Mond lassen sich zahlreiche Krater, Gebirge und andere Oberflächenstrukturen erkennen. Auch Jupiter mit seinen Wolkenbändern und den vier großen galileischen Monden oder Saturn mit seinem Ringsystem sind faszinierende Beobachtungsziele.
Natürlich darf man keine Bilder erwarten, wie man sie aus der Astrofotografie kennt. Die Planeten erscheinen im Okular deutlich kleiner und die sichtbaren Details hängen stark von der Luftruhe ab.
Warum ich den Verkauf bereut habe
Später bin ich auf den größeren Sky-Watcher 127/1500 Maksutov umgestiegen. Dieser besitzt eine größere Öffnung, sammelt mehr Licht und kann unter geeigneten Bedingungen auch feinere Details auflösen. Trotzdem habe ich es im Nachhinein bereut, den kleinen 102er verkauft zu haben. Er war ausgesprochen scharf, extrem transportabel und für schnelle Beobachtungen einfach praktisch.
Gerade diese Kombination hat ihn für mich zu einem hervorragenden kleinen Planetenteleskop gemacht.
Wo liegen seine Grenzen?
Durch die lange Brennweite bietet ein Maksutov nur ein vergleichsweise kleines Gesichtsfeld. Für großflächige Sternfelder oder sehr ausgedehnte Deep-Sky-Objekte ist er deshalb weniger gut geeignet.
Außerdem benötigt die geschlossene Optik bei größeren Temperaturunterschieden eine gewisse Zeit, um sich an die Umgebungstemperatur anzupassen. Das sind aber Eigenschaften, mit denen ich gut leben konnte, weil ich dieses Teleskop in erster Linie für Mond und Planeten verwendet habe.
Warum sich die beiden Teleskope so gut ergänzen
Das ist für mich eigentlich der interessanteste Punkt an dieser Kombination. Obwohl beide Teleskope dieselbe Öffnung von 102 mm besitzen, unterscheiden sich ihre Einsatzgebiete erheblich.
Mit dem kurzbrennweitigen 102/500 konnte ich großflächige Sternfelder, offene Sternhaufen und ausgedehnte Himmelsregionen beobachten. Wenn ich hingegen den Mond oder die Planeten genauer betrachten wollte, kam der 102/1300 Maksutov zum Einsatz.
Was dem einen Teleskop fehlt, bringt das andere mit.
Natürlich gibt es auch mit dieser Kombination Grenzen. Beide Geräte besitzen nur 102 mm Öffnung. Wer lichtschwache Galaxien, Kugelsternhaufen oder Nebel mit möglichst vielen Details beobachten möchte, profitiert von einer deutlich größeren Öffnung.
Trotzdem war ich mit diesen beiden Teleskopen lange Zeit sehr zufrieden. Sie waren unkompliziert, transportabel und deckten meine damaligen Beobachtungsinteressen hervorragend ab.
Ein Wort zur Montierung
Ein gutes Teleskop allein reicht allerdings nicht aus. Mindestens ebenso wichtig ist eine geeignete Montierung.
Diese sollte ausreichend stabil sein, damit das Bild bei Berührungen oder beim Scharfstellen nicht übermäßig lange nachschwingt.
Gerade bei höheren Vergrößerungen kann eine instabile Montierung den Beobachtungskomfort erheblich beeinträchtigen.
Ich würde deshalb beim Kauf nicht ausschließlich auf die optischen Eigenschaften eines Teleskops achten, sondern immer auch auf eine passende und ausreichend stabile Montierung.
Da es hier unterschiedliche Konzepte und Möglichkeiten gibt, werde ich mich diesem Thema in einem eigenen Beitrag widmen.
Was ich Einsteigern noch mitgeben möchte
Eine der wichtigsten Erkenntnisse aus meinen eigenen Beobachtungsjahren ist, dass eine möglichst große Öffnung nicht automatisch den größten Beobachtungsspaß bedeutet.
Natürlich sind die technischen Eigenschaften eines Teleskops wichtig. Eine größere Öffnung sammelt mehr Licht und ermöglicht grundsätzlich eine höhere Auflösung. Aber ein Teleskop muss auch zu den eigenen Bedürfnissen passen.
Wer nur wenig Platz zur Verfügung hat, sein Gerät häufig transportieren möchte oder gerne spontan beobachtet, wird möglicherweise mit einem kleinen, handlichen Teleskop glücklicher als mit einem wesentlich größeren Instrument. Auch sollte man sich nicht von besonders hohen Vergrößerungsangaben beeindrucken lassen. Eine scharfe, kontrastreiche Abbildung bei moderater Vergrößerung zeigt oft mehr als ein großes, aber unscharfes Bild.
Und noch etwas: Wer die Möglichkeit hat, sollte vor dem Kauf verschiedene Teleskope ausprobieren. Ein Besuch bei einem astronomischen Verein oder einer öffentlichen Sternwarte kann dabei sehr hilfreich sein.
Außerdem finde ich es wichtig einen Himmelsatlas zu besitzen, um seine ersten Objekte auch treffsicher zu finden. Mir hat dabei der Karkoschka Atlas für Himmelsbeobachter am Anfang sehr gute Dienste geleistet und ich verwende ihn immer noch. Alternativ gibt es natürlich mittlerweile jede Menge Apps fürs Smartphone... für mich ist ein gedruckter Atlas durch nichts zu ersetzen ;)
Mein Fazit
Ich halte den Sky-Watcher 102/500 und den Sky-Watcher 102/1300 Maksutov auch heute noch für zwei ausgesprochen interessante Teleskope, die sich für den Einstieg in die visuelle Astronomie gut eignen können.
Beide sind kompakt, vergleichsweise erschwinglich und haben klar definierte Stärken. Der 102/500 gefällt mir besonders für ausgedehnte Sternfelder und unkomplizierte Beobachtungen bei niedriger Vergrößerung. Der kleine Maksutov ist dagegen ein hervorragender Begleiter für Mond und Planeten.
Für mich persönlich war diese Kombination lange Zeit nahezu ideal. Das bedeutet aber nicht, dass sie auch für jeden anderen die beste Wahl ist. Wer beispielsweise viel Wert auf die Beobachtung lichtschwacher Deep-Sky-Objekte legt und ausreichend Platz hat, wird möglicherweise mit einem größeren Dobson wesentlich glücklicher werden.
Ich möchte mit diesem Beitrag deshalb keine anderen Teleskoptypen schlechtreden oder behaupten, dass meine Empfehlungen die einzig richtigen sind. Vielmehr möchte ich zeigen, dass es abseits der häufig empfohlenen Standardlösungen interessante Alternativen gibt.
Denn das beste Teleskop ist nicht unbedingt das größte oder teuerste, sondern das, das man auch wirklich gerne benutzt.
Eine Alternative: 130/650 Newton als Allrounder
Wer lieber nur ein einziges Teleskop für möglichst viele Beobachtungsbereiche verwenden möchte, könnte auch einen Newton-Reflektor mit 130 mm Öffnung und 650 mm Brennweite in Betracht ziehen. Durch die größere Öffnung sammelt er mehr Licht als die beiden zuvor vorgestellten 102-mm-Teleskope und eignet sich sowohl für Deep-Sky-Objekte als auch für die Beobachtung von Mond und Planeten.
Allerdings muss die Optik gelegentlich justiert werden, damit sie ihre volle Leistungsfähigkeit erreicht. Auch die vergleichsweise kurze Brennweite sollte man berücksichtigen. Sie ist zwar kein grundsätzlicher Nachteil bei der Planetenbeobachtung, allerdings benötigt man für höhere Vergrößerungen entsprechend kurzbrennweitige Okulare oder eine Barlowlinse. Ein langbrennweitiger Maksutov erreicht dieselben Vergrößerungen bereits mit Okularen längerer Brennweite.
Wer mit der gelegentlichen Justierung kein Problem hat, findet in einem 130/650 Newton eine interessante und vielseitige Alternative, die einen guten Kompromiss zwischen Deep-Sky- und Planetenbeobachtung darstellt.