Der Hantelnebel (Messier 27, NGC 6853) im Sternbild Füchschen (Vulpecula) zählt zu den bekanntesten planetarischen Nebeln des Nordhimmels. Er wurde bereits im Jahr 1764 von Charles Messier entdeckt und war damit der erste planetarische Nebel, der in einen astronomischen Katalog aufgenommen wurde.

M27 befindet sich in einer Entfernung von etwa 1.300 Lichtjahren von der Erde. Die helle Hauptstruktur des Nebels besitzt eine scheinbare Ausdehnung von etwa 8 × 5,6 Bogenminuten. Darüber hinaus umgibt eine deutlich größere, lichtschwächere Hülle den Nebel, wodurch seine tatsächliche Ausdehnung mehrere Lichtjahre beträgt. Diese Struktur ist aber in dieser Aufnahme wegen der kurzen Belichtungszeit nicht zu sehen.

Trotz seines Namens hat ein planetarischer Nebel nichts mit Planeten zu tun. Die Bezeichnung entstand im 18. Jahrhundert, weil diese Objekte in den damaligen Teleskopen rundlich und planetenähnlich erschienen. Tatsächlich handelt es sich um die abgestoßenen äußeren Gashüllen eines alternden Sterns. Nachdem ein sonnenähnlicher Stern seinen Kernbrennstoff (Wasserstoff) weitgehend verbraucht hat, bläht er sich zunächst zu einem Roten Riesen auf und stößt anschließend seine äußeren Schichten ins All ab. Der zurückbleibende heiße Sternenkern ionisiert das ausgestoßene Gas mit seiner intensiven ultravioletten Strahlung und bringt es dadurch zum Leuchten. Aus diesem Zentralstern wird schließlich ein Weißer Zwerg.

Die charakteristische Hantelform entsteht durch die komplexe Struktur des ausgeworfenen Materials. Moderne Untersuchungen zeigen, dass M27 keineswegs eine einfache kugelförmige Gashülle ist. Vielmehr besteht der Nebel aus mehreren unterschiedlich dichten Gasregionen, die durch Sternwinde, Strahlungsdruck und die Wechselwirkung verschiedener Materieströme geformt werden. Diese Prozesse erzeugen die markanten Strukturen, die den Hantelnebel zu einem der eindrucksvollsten planetarischen Nebel am Himmel machen.

Besonders interessant ist M27 aus spektroskopischer Sicht. Das auffällige bläulich-türkise Leuchten des Nebelinneren wird hauptsächlich durch die starken Emissionslinien des doppelt ionisierten Sauerstoffs ([O III]) bei 495,9 nm und 500,7 nm verursacht. Die rötlichen Außenbereiche werden dagegen überwiegend von Wasserstoff (Hα) und ionisiertem Stickstoff ([N II]) geprägt.

Die beiden begleitenden Aufnahmen zeigen diesen Zusammenhang eindrucksvoll. Während im klassischen Astrofoto die unterschiedlichen Emissionsregionen direkt als verschiedene Farben sichtbar werden, offenbart die Aufnahme mit dem Star Analyser 100 die spektrale Natur des Nebels. Anders als die Sterne, die ein weitgehend kontinuierliches Spektrum erzeugen, konzentriert sich die Strahlung des Nebels auf wenige charakteristische Emissionslinien. Diese verraten den Astronomen nicht nur die chemische Zusammensetzung des Nebels, sondern liefern auch wichtige Informationen über Temperatur, Dichte und Ionisationszustand des Gases.

Der Hantelnebel expandiert bis heute mit hoher Geschwindigkeit in den interstellaren Raum. Aus seiner Größe und den gemessenen Expansionsgeschwindigkeiten ergibt sich ein Alter von ungefähr 10.000 Jahren. Astronomisch betrachtet befindet sich M27 damit in einer vergleichsweise kurzen Übergangsphase der Sternentwicklung – zwischen dem Ende des Roten-Riesen-Stadiums und dem langfristigen Abkühlen des entstehenden Weißen Zwergs.

Aufgrund seiner hohen Flächenhelligkeit, seiner markanten Form und seiner spektakulären Spektrallinien zählt Messier 27 sowohl für visuelle Beobachter als auch für Astrofotografen und Spektroskopiker zu den faszinierendsten Objekten des Sommerhimmels.



Die Daten:
Bild:
TS 102/714mm auf EQ-5 Goto
Asi485MC mit Astromonik L2 UV/IR Filter
24x30s Lights, mit Darks und Flats korrigiert
Aufgenommen mit Sharpcap
Bearbeitet mit Darktable und Gimp

Spektrum:
TS 102/714mm auf EQ-5 Goto
Asi485MC m21it Astromonik L2 UV/IR Filter
21x30s Lightframes
Mir Darks korrigiert
Aufgenommen mit Sharpcap
Das Spektrum wurde bereit am 19.8.2023 aufgenommen