
Pferdekopfnebel und Flammennebel – Dunkelwolken vor leuchtendem Wasserstoff
Dieses Bild zeigt eine der bekanntesten Regionen des Winterhimmels im Sternbild Orion. Zu sehen sind der berühmte Pferdekopfnebel (Barnard 33), der Flammennebel (NGC 2024) sowie der helle Stern Alnitak. Im unteren Bildbereich befindet sich außerdem der Reflexionsnebel NGC 2023.
Der Pferdekopfnebel wurde 1888 von der schottischen Astronomin Williamina Fleming auf fotografischen Aufnahmen des Harvard College Observatory entdeckt. Seine markante Form macht ihn zu einem der bekanntesten Objekte des gesamten Himmels.
Ein Schatten im Wasserstoffnebel
Der Pferdekopfnebel selbst leuchtet nicht. Er besteht aus kaltem Gas und Staub, die das Licht des dahinterliegenden Emissionsnebels IC 434 absorbieren. Dadurch erscheint die charakteristische dunkle Silhouette vor dem rötlich leuchtenden Hintergrund.
Die Entfernung wird auf etwa 1.300 bis 1.500 Lichtjahre geschätzt. Die Wolke gehört zum Orion-Molekülwolkenkomplex, einer riesigen Sternentstehungsregion, die sich über große Teile des Sternbildes erstreckt.
Das rote Leuchten von IC 434 entsteht durch ionisierten Wasserstoff. Die intensive ultraviolette Strahlung benachbarter heißer Sterne regt die Wasserstoffatome an. Beim Zurückfallen der Elektronen in niedrigere Energieniveaus wird unter anderem Licht der H-Alpha-Linie bei 656,3 Nanometern ausgesendet, das für die charakteristische rote Farbe verantwortlich ist.
Der Flammennebel
Links neben dem Pferdekopf befindet sich NGC 2024, besser bekannt als Flammennebel. Er liegt in ähnlicher Entfernung wie der Pferdekopfnebel und gehört ebenfalls zum Orion-Molekülwolkenkomplex.
Seine komplexen dunklen Strukturen bestehen aus Staubwolken, die Teile des Nebels verdecken. Im Inneren verbergen sich junge Sterne, die erst vor relativ kurzer Zeit entstanden sind. Die intensive Strahlung dieser Sterne bringt das umgebende Gas zum Leuchten und formt die charakteristische flammenartige Erscheinung.
Der Flammennebel erscheint überwiegend gelblich-orange, weil sein Licht neben Wasserstoff auch stark von Staub beeinflusst wird, der das blaue Licht absorbiert und streut. IC 434 dagegen leuchtet fast ausschließlich in der Hα-Emissionslinie des Wasserstoffs bei 656,3 nm und zeigt deshalb die für Emissionsnebel typische tiefrote Farbe.
Alnitak – der Energielieferant
Der sehr helle Stern oberhalb des Flammennebels ist Alnitak, der östlichste Gürtelstern des Orion. Er gehört zu den leuchtkräftigsten bekannten Sternen unserer galaktischen Nachbarschaft und befindet sich etwa 1.200 Lichtjahre von der Erde entfernt.
Alnitak ist ein heißer blauer Stern der Spektralklasse O. Seine Oberflächentemperatur liegt bei rund 30.000 Kelvin. Die enorme ultraviolette Strahlung dieses Sterns ionisiert große Bereiche des umgebenden Wasserstoffgases und trägt maßgeblich dazu bei, dass Regionen wie IC 434 und Teile des Flammennebels sichtbar werden.
NGC 2023 – der kleine blaue Nebel
Unterhalb des Pferdekopfnebels fällt ein kompakter bläulicher Nebel auf. Dabei handelt es sich um NGC 2023, einen der hellsten Reflexionsnebel am Himmel.
Im Gegensatz zu IC 434 oder dem Flammennebel erzeugt NGC 2023 sein Licht nicht selbst. Die feinen Staubpartikel reflektieren das Licht eines eingebetteten jungen Sterns. Kurzwelliges blaues Licht wird dabei besonders effizient gestreut, weshalb Reflexionsnebel häufig blau erscheinen – ähnlich wie die Erdatmosphäre unseren Himmel blau erscheinen lässt.
NGC 2023 liegt ebenfalls in etwa 1.300 Lichtjahren Entfernung und ist eng mit den umgebenden Sternentstehungsgebieten verbunden.
Eine aktive Sternentstehungsregion
Alle auf diesem Bild sichtbaren Nebel gehören zu einem riesigen Komplex aus Gas, Staub und jungen Sternen im Orion. Hier entstehen auch heute noch neue Sterne. Während Alnitak die Umgebung mit energiereicher Strahlung beeinflusst, formen Schwerkraft, Strahlungsdruck und Sternwinde die markanten Wolkenstrukturen, die wir als Pferdekopfnebel, Flammennebel und NGC 2023 beobachten können.
Das Zusammenspiel von leuchtendem Wasserstoff, reflektierendem Staub und dunklen Molekülwolken macht diese Region zu einem der eindrucksvollsten und astrophysikalisch interessantesten Gebiete des Winterhimmels.