
Sonne in H-Alpha
Was H-Alpha-Aufnahmen so besonders macht: Man sieht die Sonne hier nicht als reine Lichtquelle, sondern als ein von Magnetfeldern geformtes System. Die H-Alpha-Linie bei 656,28 nm zeigt vor allem Wasserstoffgas in der Chromosphäre – also in jener Schicht, in der sich viele der auffälligsten Sonnenphänomene abspielen.
Aufgenommen habe ich das Bild in S/W, danach wurde es farblich umgesetzt. Das ursprüngliche H-Alpha-Licht liegt im tiefroten Bereich, die Einfärbung macht den Eindruck für das Auge nur etwas anschaulicher.
Bei dieser Bearbeitung wurde das Bild zusätzlich invertiert. Dadurch sind helle und dunkle Strukturen gegenüber der klassischen Darstellung vertauscht: Filamente, die normalerweise dunkel auf der Sonnenscheibe erscheinen, treten hier hell hervor. Bereiche, die im klassischen H-Alpha-Bild besonders hell wirken würden, erscheinen entsprechend dunkler.
Interessant ist, dass viele Strukturen im H-Alpha-Licht direkt mit Magnetfeldern zusammenhängen:
– aktive Regionen zeigen Bereiche besonders starker Aktivität
– helle Filamente markieren kühleres Plasma, das von Magnetfeldern über der Oberfläche gehalten wird
– Protuberanzen am Rand sind solche Strukturen von der Seite betrachtet
– feine Fasern und Linien folgen oft dem Verlauf magnetischer Feldlinien
Dadurch wirkt die Sonne in H-Alpha fast wie eine Momentaufnahme eines unsichtbaren Kraftfeldes. Was im Weißlicht oft nur als Sonnenfleck oder gleichmäßige Scheibe erscheint, bekommt hier plötzlich Tiefe, Struktur und Bewegung.
Für mich ist genau das der Reiz: Man fotografiert nicht nur eine helle Kugel am Himmel, sondern bekommt einen kleinen Einblick in die Kräfte, die unsere Sonne ständig formen und verändern.
Die Daten:
Acuter 40/400mm auf AZ-GTi
Asi678MM
Aufgenommen mit FireCapture
Gestacked mit AutoStakkert
Bearbeitet mit Registax und Affinity Photo 2